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Ergebnisse: Landesbranchenkonferenz KREATOPIA

Wirtschaftsminister Blank will Kreativbranche weiter stärken

Die Landesbranchenkonferenz KREATOPIA hat sich in diesem Jahr erneut als wichtige Plattform für die Sichtbarkeit, Vernetzung und politische Stärkung der Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern präsentiert. Inmitten einer wirtschaftlich herausfordernden Lage für kreative Orte und Akteure bot das Event Raum für Austausch, Inspiration und konkrete Impulse für die Weiterentwicklung des gesamten Sektors. Mit einem Mix aus politischen Botschaften, praktischen Showcases und strategischen Ausblicken verdeutlichte die Kreatopia MV, warum die Kreativwirtschaft als Innovationsmotor des Landes unverzichtbar ist – und wie dringend strukturelle Unterstützung gebraucht wird.

Wirtschaftsminister Dr.Wolfgang Blank bekräftigte bei seinem Besuch der KREATOPIA:

„Die Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist ein wichtiger Innovationstreiber mit wirtschaftlichem Potenzial, das es weiter zu stärken gilt. So kann MV seine kulturelle Vielfalt wirtschaftlich nutzen und neue regionale Wertschöpfung schaffen.“

Zur Branchenkonferenz erschien die aktuelle Potenzialanalyse der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben vom Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit MV. Mehr als 130 Branchenexpert:innen und –akteur:innen haben am Beteiligungsprozess mitgewirkt.

Fotos: Jana Wehbe

Download: Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums zur KREATOPIA 2025

Download: Potenzialanalyse Kultur- und Kreativwirtschaft MV

 

1. Eröffnung & Grußworte

Warnow Valley – Schutzräume für Kreativität

Das Grußwort von Karolin Quandt, Vorstandsvorsitzender des Warnow Valley e.V., machte deutlich, dass kreative Orte in MV aktuell „von beiden Seiten bedroht“ seien: Von Brandanschlägen, die physische Räume und engagierte Communities verunsichern und gleichzeitig von Kürzungen finanzieller Mittel, die die Basis kreativer Arbeit schwächen.

Ihre zentrale Botschaft: „Ohne Orte des Austauschs und der Begegnung können kreative Prozesse nicht entstehen. Und ohne diese Prozesse gibt es keinen gesellschaftlichen Fortschritt.“

Der Appell war unmissverständlich: Innovationsräume müssen geschützt, verteidigt und politisch aktiv gestärkt werden – nicht als Nischenphänomen, sondern als essenzielles Fundament gesellschaftlicher Transformationsfähigkeit.

 

 

IHK – Mut zum Blick über den Tellerrand

In ihrem Grußwort betonte Melanie Wicht, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Rostock, dass auch traditionelle Branchen in MV Mut brauchen, um sich für neue Denkweisen zu öffnen. Die Kreativwirtschaft könne dabei als Innovationspartnerin wertvolle Impulse geben:

„Andere Branchen müssen über den Tellerrand schauen – und die Kreativwirtschaft kann dabei unterstützen.“

Damit unterstrich Melanie Wicht nicht nur die wirtschaftliche Relevanz kreativer Kompetenzen, sondern auch den Willen, Brücken zwischen Branchen und kreativen Akteur*innen stärker auszubauen:

„Cross Innovation hilft dabei, die bestehenden Stärken und Strukturen in unserer Region noch besser zu vernetzen und wirksam zu machen. Schon heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern starke Cluster – von der Kreativwirtschaft über Forschungseinrichtungen bis hin zur maritimen Wirtschaft.

Wenn diese Akteure branchenübergreifend zusammenarbeiten, können sie Zukunftsthemen gemeinsam angehen und neue Lösungen entwickeln.  Davon profitieren nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe sowie ländliche Regionen.

Innovation entsteht nie im Alleingang, sondern immer im Zusammenspiel von Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft. Genau dieses Zusammenspiel wollen wir als IHK zu Rostock fördern – mit unserem Know-How und unserem Netzwerk.“

 

 

2. Cross Innovation – Die Kultur- und Kreativwirtschaft MV als Innovationsabteilung der Region

Der Cross-Innovation-Schwerpunkt der Branchenkonferenz nahm die Kernbotschaft der Veranstaltung auf:
Die Kreativwirtschaft ist die Innovationsabteilung der Region.

Gerade in einem Land wie MV, das von einer Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen geprägt ist, können kreative Methoden und Perspektiven immense Innovationsschübe auslösen.

Es wurden zentrale Programme und Förderstrukturen hervorgehoben, die bereits Anknüpfungspunkte bieten:

  • Cross Innovation Programm von Kreativbund – Bundeszentrum Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Zukunftsschmiede. Innovationswerkstatt für zukunftsfähige Geschäftsmodelle im Rahmen des Programms „MV tut was“
  • Reallabor Zukunft – eine Lernreise für Sozialunternehmen in Nieklitz / Wir bauen Zukunft
  • KOMPASS – Fortbildungsförderung für Solo-Selbstständige

Doch es wurde auch deutlich: Die vorhandenen Instrumente müssen konsequenter auf die Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft zugeschnitten und stärker strategisch vernetzt werden.

 

3. Pitch-Session – Beispiele aus der Praxis

ENEKA

Sebastian Megow von ENEKA zeigte eindrucksvoll, wie kreative Gründungsinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern bundesweite Relevanz gewinnen können.

Der Weg führte vom projekt:raum und dem Warnow Valley hin zum Bundesmarktführer im eigenen Segment. ENEKA.Energieplanung unterstützt bei der energetischen Stadtentwicklung, Analyse und Szenarien zur klimaneutralen Wärmeversorgung. Dieses Beispiel demonstriert, welches Potenzial entsteht, wenn kreative Ideen strukturelle Unterstützung und ein starkes Netzwerk erhalten.

 

freiort Architekten

Cindy Kruske von freiort Architekten rückte die „Phase 0“ in den Mittelpunkt – die entscheidende Vorphase, in der Nutzungsbedarfe ermittelt und konzeptionelle Grundlagen geschaffen werden. Heute wird diese Phase oft ehrenamtlich erbracht, obwohl sie:

  • Zeit spart
  • Konflikte reduziert
  • und zentrale Qualitätssicherungsfunktion besitzt

Die Forderung der Architekten:
Partizipationsprozesse müssen verbindlich im Planungs- und Bauwesen verankert werden.
Nur so können Projekte zielgerichtet, effizient und demokratisch umgesetzt werden.

 

mpct – die sozial nachhaltige Kreativagentur

Kristine Ringe von von mpct präsentierte eine Erfolgsgeschichte junger urbaner Gründender im ländlichen Raum MVs: Zwei Personen, die sich zusammengeschlossen haben, um durch unsere akademisch und agenturgeprägten Expertisen einen nachhaltigen Impact in der Werbe-Landschaft zu machen.

Gerade Regionen abseits der Städte profitieren von frischen Impulsen, neuen Geschäftsmodellen und digitalaffinen Teams.

Der Pitch zeigte: MV kann Gründungsland sein – und zwar überall

 

 

forma_te e.V.

Der gemeinnützige Verein forma_te verfolgt das Ziel »Gemeinschaft, Begegnung und Lebendigkeit im ländlichen Raum« zu fördern und möchte damit einen wichtigen Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben in der Region Teterow (Mecklenburg-Vorpommern) leisten.

Dazu funktioniert der Verein gegenwärtig einen ehemaligen »Obst-Gemüse-Speisekartoffel«-Industriekomplex aus der DDR zu einem kulturellen Zentrum für Jung und Alt um.

 

30 Jahre Straßenzeitung in Rostock

Über 200 Menschen ohne Obdach, ohne Wohnung bzw. ohne Erwerbsmöglichkeit haben seither durch das „Strohhalm“-Projekt wieder eine Aufgabe und einen Halt gefunden. Das Prinzip des rettenden Strohhalms, der Hilfe zur Selbsthilfe, ist einfach erklärt: Vom Erlös von 1,20 Euro jeder verkauften Zeitung können die Verkäufer die Hälfte behalten.

Dafür spricht sie mit ihren Inhalten und sozialen Themen eine breite Leserschaft an. Im ersten Jahr wurden 16.000 Exemplare verkauft, im 20. Jahr, waren es ca. 60.000 Zeitungen, die in Rostock und Bad Doberan verkauft wurden.

4. Podiumsdiskussion – Kreativität als gesellschaftliche Infrastruktur

Jeder Mensch ist kreativ

Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion: Kreativität ist kein exklusives Merkmal der Kreativwirtschaft.

Aber die KKW verfügt über die professionalisierte Fähigkeit, Kreativität in strukturierte Gestaltungsprozesse zu übersetzen – der „Muskel“ ist trainierter. Diese Expertise wird in Transformationsprozessen zunehmend unverzichtbar.

KKW in KMU-Instrumenten verankern

Es wurde klar benannt, dass kreatives Know-how stärker in die allgemeinen wirtschaftlichen Förderinstrumente einsickern muss.
Ein Beispiel:
Die Auftragsberatungsstellen der IHKs sollten spezifisch auf die Besonderheiten der Kreativwirtschaft ausgerichtet werden.

Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank: Sichtbarkeit steigern

„Unsere Kultur- und Kreativwirtschaft hat auf Grund ihrer kleinteiligen Struktur nicht immer die Sichtbarkeit, die sie eigentlich verdient. Das gilt es zu ändern.“

Es braucht digitale und physische Plattformen der Vernetzung und der Präsenz der Leistungen der KKW in MV.

Faire Bedingungen – Bezahlte Pitches & kuratierte Kooperationen

Ein großes Thema war die Frage nach fairen Rahmenbedingungen:

  • Bezahlte Pitches in öffentlichen Vergaben müssen Standard werden.
  • Speeddating-Formate zwischen Branchen könnten die Auftragsvergabe vereinfachen und professionalisieren.

Hier entsteht ein konkreter Handlungsauftrag für Politik, Wirtschaft und KKW-Verbände.

Raumerschließung in Stadt & Land

Offene physische und digitale Räume sind Voraussetzung für das Gedeihen zukunftsfähiger Projekte der Kultur- und Kreativwirtschaft. Großer Raumwohlstand im Grünen ist DER Standortvorteil in MV. Voraussetzung ist flächendeckend schnelles Internet & Mobilfunk.

 

5. Kulturelle Intervention – Performance von Erik Klausch

Die Performance von Erik Klausch war nicht nur unterhaltsam, sondern ein pointierter Kommentar zur Situation der Kultur- und Kreativwirtschaft:

Wer nicht Teil der Kreativbranche ist, hat oft Schwierigkeiten, ihre Arbeitslogiken zu verstehen.
Sie zeigte künstlerisch zugespitzt die besondere Denk- und Arbeitsweise kreativer Akteur*innen – und warum sie für Transformationsprozesse unverzichtbar sind.

6. Cross Innovation Showcase – Gamification für Regionalität

Im Show Case wurde ein Gamification-Konzept vorgestellt, das Kund*innen spielerisch an die Regionalität von Getränken im Getränkeland MV heranführt.
Ziel:

  • Sichtbarkeit regionaler Produkte stärken
  • Kundenbindung erhöhen
  • Wertschöpfung transparent machen

Dieser Ansatz zeigt exemplarisch, wie kreative Methoden Wirtschaftsthemen innovativ aufbereiten können.

 

Neuveröffentlichung

Zur Branchenkonferenz erschien die aktuelle Potenzialanalyse der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben vom Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit MV. Mehr als 130 Branchenexpert:innen und –akteur:innen haben am Beteiligungsprozess mitgewirkt.

Die Analyse zeigt, dass die Kreativbranche durch eine verbesserte Finanzierung und durch gezielte Fördermaßnahmen langfristig gestärkt werden kann. Es gilt, niederschwellige Fördermodelle zu entwickeln und die Sichtbarkeit der Branche zu erhöhen. Durch eine stärkere Vernetzung der Akteur:innen und die Förderung von Cross-Innovation-Projekten mit anderen Wirtschaftszweigen  kann die KKW neue Märkte erschließen und Innovationen vorantreiben. Ebenso sollten kreative Freiräume und flexible Arbeitsstrukturen gefördert werden, um die kreative Autonomie zu unterstützen.

Zukunftsorientierte Konzepte wie Co-Working-Spaces, flexible Zwischennutzungen von Leerständen und die Unterstützung nachhaltiger Geschäftsmodelle sind essentiell, um die Branche in MV zu stärken und langfristig zu binden. Die Zusammenarbeit mit anderen Branchen, insbesondere dem Tourismus, der Green Economy und der maritimen Wirtschaft, bietet zusätzliches Potenzial, um innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Projekte zu realisieren.

Das Fazit:

Die Stärkung der digitalen und physischen Infrastruktur, die Unterstützung von Netzwerken und die Förderung nachhaltiger Projekte werden entscheidend sein, um die Branche langfristig als Motor für wirtschaftliche und soziale Innovationen in der Region zu etablieren.

Mehr Infos HIER

Download: Potenzialanalyse Kultur- und Kreativwirtschaft MV

Grafiken: Andrea Köster und Florian Kasch

 

7. Ausblick – Wie geht es weiter?

Wandernde Kreatopia
Vorgeschlagen ist eine wandernde Kreatopia, die in ganz MV Station macht.
Als mobile Werkschau, Netzwerkplattform und Innovationsimpulsgeber soll sie die Kreativwirtschaft stärker sichtbar und im Land verankern.

Strategischer Workshop im Januar
Das Zukunftszentrum MV+ bot an, im Januar einen Workshop mit dem Wirtschaftsministerium und interessierten Unternehmen zu moderieren.
Ziel:
Erarbeitung eines strategischen Maßnahmenplans für den kommenden Doppelhaushalt 2026-27.

Politische Anschlussfragen zum Ausklang der KREATOPIA:

  • Eine Kleine Anfrage soll prüfen, welche Ziele des Koalitionsvertrags zur Förderung der KKW wie umgesetzt wurden.
  • Ein Positionspapier für die Wahlprogramme der Parteien befindet sich in Vorbereitung.
  • Um den Stellenwert der Kreativbranche als Innovationsbranche dauerhaft in der Landespolitik zu verankern, ist ein eigenes Referat Kultur- und Kreativwirtschaft im Wirtschaftsministerium nötig. Hier ist der bundesweite Austausch mit dem Fördernetz Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland wünschenswert.

Vergleichbar mit anderen Bundesländern (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen) sollte ein Kompetenzzentrum KKW in MV eingerichtet werden (2-4 Personalstellen), mit qualifizierten Erfahrungsträger:innen aus der Branche. Hier ist der Austausch mit den Landesverbänden und dem Bundesverband Kreative Deutschland wünschenswert.

 

 

 

8. Strategische Pflöcke – Fahrplan für die Jahre 2026–2027

1) Andere Branchen für die KKW aufschließen

  • Erfolgsgeschichten sichtbar machen
  • Branchenspezifische Innovationsformate entwickeln
  • Speeddatings in Kooperation mit IHKs aufbauen

2) Verwaltungsmodernisierung

  • Entwicklung eines Konzeptpapiers
  • Interne Info-Events in Behörden starten
  • Kreative Methoden in Verwaltungsarbeit integrieren

3) Sichtbarkeit der Relevanz stärken – Landeswettbewerb
Vorschlag: Landeswettbewerb mit den Kategorien:

  • Kooperation
  • Innovation
  • Internationales
  • Gemeinwohl
  • Business Growth

 

Schlussfazit

Die Kreatopia MV hat eindrucksvoll gezeigt, wie relevant die Kreativwirtschaft als Innovationsmotor, Transformationspartnerin und Identitätsstifterin für Mecklenburg-Vorpommern ist.

Die Veranstaltung machte aber auch unmissverständlich deutlich, dass kreative Akteur*innen und Orte dringend stärkere strukturelle Unterstützung brauchen – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Mit klaren strategischen Weichenstellungen, ambitionierten Plänen und wachsendem Zusammenhalt kann die KKW in MV ein zentraler Treiber für Zukunftsprozesse im Land werden.

„Die KREATOPIA ist geil und brauchen wir mehr denn je, und die Kreativwirtschaft ist nicht EINE Zukunftsbranche, sondern DIE Zukunftsbranche für Mecklenburg-Vorpommern.“ (Sebastian Megow, ENECA).

 

Fotos: Jana Wehbe

 

Die KREATOPIA – Landesbranchenkonferenz wurde von fint – Gemeinsam Wandel gestalten. e.V. und Kreative MV – Landesverband Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V. – im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt und von der IHK zu Rostock unterstützt.

 

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